Das Abenteuer:
nach Nepal während Corona
Keine meiner Reisen nach Nepal kann ich je vergessen - das gilt für diese ganz besonders. Im Frühjahr 2021 befanden wir uns immer noch mitten in der Corona-Pandemie, die Zahlen waren hoch und es galten viele Einschränkungen, vor allem für das Reisen. Keiner konnte vorhersagen, wie die Lage sich entwickelt, wenn man in einem fernen Land ist. Trotzdem entschied ich mich, nach Nepal zu reisen, an meinem Geburtstag im April und unter sehr ungewohnten Bedingungen.
In Nepal gab es zu dieser Zeit noch keine Impfungen, die medizinischen Kapazitäten waren noch viel stärker eingeschränkt als in Europa, und die Sorge vor Ansteckung und einem schweren Verlauf war groß, vor allem im Krankenhaus. Die Freunde in Dhulikhel, die einen engen Kontakt mit uns gewohnt sind, waren bereits ein Jahr wie abgeschnitten und mit vielen Fragen allein. Es war durchaus sinnvoll und sehr hilfreich, die Reise auf sich zu nehmen.
So nutzen wir die Zeit, für die endoskopische Abteilung des Dhulikhel Hospitals aber auch für das ganze Krankenhaus wichtige Fragen zu klären. In der Endoskopie und im gesamten Haus waren die hygienischen Vorschriften und Regeln extrem streng, auch wenn die Infektionszahlen aktuell sehr niedrig waren. In sensiblen Bereichen war das Personal in Schichten eingeteilt und musste daheim in der Freizeit Quarantäne halten. In die Regeln für die Endoskopie musste ich sorgfältig einarbeiten, um nichts falsch zu machen.
Ein erheblicher Engpass in Nepal bestand in der eingeschränkten Sauerstoffversorgung. Vor allem mangelte es an den Flaschen, hier war ein harter Konkurrenzkampf im Gange. Das Hospital hat zwei eigene Sauerstoffanlagen, musste aber trotzdem einiges an Sauerstoff dazukaufen, um den Bedarf abzudecken. Für High-flow- Beatmungen reichte es trotzdem nicht.
In der Endoskopie nutzten wir die Zeit, um Prozesse zu besprechen und zu verbessern. Besonderes Augenmerk galt dem Lager, das aufgrund der Vielzahl der Instrumente und des Verbrauchsmateriales sehr anspruchsvoll zu führen ist. Zusätzlich hatten wir aber trotz den Einschränkungen genügend Zeit, Gemeinschaft zu pflegen.
Allerdings passierte es in der zweiten Woche meines Aufenthaltes, dass die Delta-Welle, die in Indien schon viel Schaden angerichtet hatte, auf Nepal übergriff. Die Infektionszahlen stiegen sprunghaft an und die Regierung verhängte einen strengen Lockdown. In Nepal bedeutet das Checkpoints zwischen den Ortschaften, die keinen durchlassen, Ausgangssperren, die mit Polizei und Militär durchgesetzt werden und somit eine sehr unangenehme Situation, vor allem für Reisende.
Dies alles war noch gut zu handhaben, im Krankenhaus musste ja weitergearbeitet werden. Allerdings kam etwas später die Ankündigung, dass die Grenzen Nepals innerhalb von zwei Tagen auf unbestimmte Zeit geschlossen werden. Innerhalb kurzer Zeit waren alle noch freien Plätze in den das Land verlassenden Flügen ausgebucht, man konnte auch nicht mehr aussuchen wohin man fliegt. Mit viel Glück bekam ich ein Ticket nach Singapur und auch einen zeitgerechten PCR-Test. Die abenteuerliche Rückreise dauerte dann 37 Stunden. Ich musste zwischendurch in die Türkei einreisen, um meinen inzwischen zu alten PCR Test zu erneuern - und hatte dabei doch in allem Glück, dass ich nicht irgendwo auf der Welt hängen blieb.